Finanzplanung oder Finanzberatung – Wo liegt der Unterschied?

Finanzplanung oder Finanzberatung – Wo liegt der Unterschied?

Finanzplanung oder Finanzberatung

Ich durfte am Anfang dieser Woche auf dem Vanguard Day in Frankfurt zum Unterschied zwischen privater Finanzplanung (auch Financial Planning genannt) und Anlageberatung referieren. Im Publikum saßen ca. siebzig selbständige Finanzberater und der Unterschied zwischen klassischer Finanzberatung und Financial Planning war erstaunlich wenigen bekannt.

Klassische Finanzberatung findet meist punktuell oder situationsbezogen statt. Kunden kommen entweder mit konkreten Lebenssituationen zum Berater oder werden von diesem oder der Bank angerufen um ein „Verkaufsgespräch“ zu führen. Im Rahmen der dann folgenden Beratung werden systematisch die gesetzlich geforderten und normierten Anlageziele abgefragt, um dann eine geeignete Kapitalanlage oder ein anderes Produkt zu empfehlen. Nicht selten werden auch Ziele der Kunden uminterpretiert, um die vom Berater präferierte Produktlösung umsetzen zu können. Dies trifft insbesondere für Produkte mit hohen Innenprovisionen (Lebensversicherungen, Zertifikate, Investmentfonds) zu, an denen der Berater direkt verdient und die nicht selten zwischen 2,5% und 5% der Anlagesumme kosten. Eine Ausnahme bildet hier die Honorarberatung.

Zugegeben wirkt dieser Blick auf die Anlageberatung sehr negativ und in einigen Fällen vielleicht auch überspitzt. Dennoch ist dieser leider nicht weit von der Realität der deutschen Finanzdienstleistungsbranche entfernt. Die zeigt auch die steigende Anzahl von Verbraucherbeschwerden bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in den letzten Jahren.

Financial Planning bietet langfristige Begleitung

Die private Finanzplanung erfolgt produktneutral und stellt den Mandanten in den Mittelpunkt. Im Kern dient die Finanzplanung einen Weg zu erörtern, der dem Kunden unterstützt seine Lebensziele zu erreichen. Dabei wird angenommen, das nahezu jedes Ziel Schnittstellen zu den privaten Finanzen hat. Dies kann auf das Ziel von umfangreichen Reisen im Rentenalter genauso zutreffen wie auf ein möglichst langes und aktives Leben. Den beide Ziele benötigen eine finanzielle Grundlage.

Das prozessuale Vorgehen der Finanzplanung hilft dem Kunden sein Kapital und seine Arbeitsenergie so zu allokieren, dass die Erreichung seiner Ziele möglichst wahrscheinlich wird. Langfristig ist dieser Prozess iterativ, da sich sowohl Ziele als auch Lebensumstände ständig ändern. Auch gesellschaftliche Dynamiken spielen in der regelmäßigen Aktualisierung der privaten Finanzplanung eine wesentliche Rolle.

Der Finanzplaner (CFP®) wird vom einmaligen Berater einer konkrete Fragestellung zum langfristigen Begleiter in Finanzfragen. Dabei steht die langfristige Zielerreichung die Unterstützung der Mandanten auf dem Weg dorthin im Vordergrund.

Diese Annahme findet sich auch im Slogan des FPSB Deutschland e.V. wieder. Dieser lautet „Finanzplanung ist Lebensplanung. Langfristig gut beraten durch FPSB-Professionals“. Dem bleibt nichts hinzuzufügen.