Die mathematische Warheit hinter einer politischen Zahl
48%! Diese Zahl ist in der aktuellen Rentendiskussion wieder omnipräsent. Konkret geht es der Regierungskoalition darum bis 2031 das Renteniveau bei 48% zu sichern. Doch was bedeutet diese Zahl konkret für die persönliche Altersvorsorge? Die Berechnung ist nicht so einfach, wie diese auf den ersten Blick scheint. Die 48% Haltelinie sind nicht selten Gegenstand von Stammtischgesprächen ohne das einer der Diskussionsteilnehmer diese konkret berechnen kann. Hier soll der Blogbeitrag aufklären.
Der große Irrtum - 48% des letzten Gehalts
Ein häufiges Missverständis geht davon aus, dass die Rente bei 48% des letzten Bruttogehalts liegt. Das ist falsch. Vielmehr handelt es sich beim Rentenniveau um eine statistische Vergleichsgröße, die das Verhältnis zwischen der Standardrente eines sogenannten „Eckrentners“ und dem Durchschnittseinkommen aller Versicherten beschreibt. Die Standardrente beschreibt damit eine Rente eines Rentenversicherten, der 45 Jahlre lang ununterbrochen Beiträge eingezahlt hat und dabei immer exakt das Durchschnittseinkommen verdient hat. Der Renteneintritt erfolgt ohne Abschläge. Ein solche Person würde nach der aktuellen Rentenformel eine Bruttorente von 1.835,55 Euro erhalten.
45 Entgeltpunkte (1 pro Beitragsjahr) x 40,79 Euro (aktueller Rentenwert 2025) = 1.835,55 Euro
Wie werden die 48% - Rentenniveau nun berechnet?
Das Rentenniveau wird nach der Rentenwertbestimmungsverordnung berechnet.
Rentenniveau = (verfügbare Standardrente / verfügbares Durchschnittsentgelt) *100
Für das Jahr 2025 heißt das konkret:
- Berechnung der verfügbaren Standardrente
- Brutto-Standardrente: 45 Entgeltpunkte * 40,79 Euro * 12 Monate = 22.026,60 Euro
- Abzüglich Sozialversicherungsbeiträge der Rentner (ca. 12,15%): – 2.676,23
- Verfügbare Standardrente: 19.350,37 Euro / Jahr bzw. 1.621,53 Euro pro Monat
- Berechnung des verfügbaren Durchschnittsentgelts
- Durchschnittsentgelt (brutto): 50.493 Euro / Jahr
- Abzüglich Sozialabgaben und Altersvorsorgebeiträge (20,16%): 10.180,81 Euro
- Verfügbares Durchschnittsengelt: 40.312,19 Euro/Jahr bzw. 3.359,35 Euro/ Monat
- Das Rentenniveau ergibt sich aus 19.350,37 Euro / 40.312,19 Euro *100 = 48%
Was bedeutet des Rentennvieau von 48% tatsächlich?
Die obenstehende Berechnung zeigt, das Renteniveau beschreibt nicht das Verhältnis Ihrer persönlichen Rente zu Ihrem letzten Gehalt, sonder ein standardisiertes Verfahren auf gesamtwirtschaftlicher Ebene. Konkret bedeudet dies: Nur wer 45 Jahre ununterbrochen das Durchschnittseinkommen verdient hat, erhält auch die Netto-Rente von etwa 48% des durchschnittlichen Netto-Arbeitseinkommens. Es kann Rentenzahlungen darüber und darunter geben. Die Höhe ist immer abhängig von der eigenen Erwerbsbiografie. Laut einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung erhielten z.B. 2023 nur 15% der Rentner die Standardrente oder eine höhere Rente.
Womit können Sie für das Alter planen?
Für Ihre individuelle Altersvorsorgeplanung ist eine ganz andere Größe entscheidend. Die Versorgungslücke. Angenommen Sie verdienen 4.500 Euro brutto pro Monat und Sie erwartet eine Rente von 1.612 Euro nach 45 Jahren Durchschnittsverdienst. Durch Ihr Nettogehalt haben Sie sich jedoch an einen Lebensstandard von ca. 2.850 Euro netto pro Monat gewöhnt. Ihre Versogungslücke beträgt in diesem Fall 1.238 Euro und damit 41% Ihres Nettoeinkommens. Dies ist zunächst nur ein Beispiel und natürlich fallen im Alter auch Kosten weg (z.B. Sparraten für die eigene Altersvorsorge). Dennoch sollte uns die Versorgungslücke animieren sich mit dem Thema Altersvorsorge auseinanderzusetzen.
... und wie gehe ich in der eigenen Finanzplanung vor?
Als Certified Financial Planner (CFP®) bin ich regelmäßig mit Fehleinschätzungen der eigenen Altersvorsorge konfrontiert. Drei wichtige Punkte zeigen sich aus der Erfahrung heraus für jeden Verbraucher als wichtig.
- Die gesetzliche Rente ist eine Basisversorgung. Es mag zwar noch länger ein Rentenniveau von 48% politisch garantiert und gewollt sein – dieses sichert aber nicht Ihren gewohnten Lebensstandard. Die gesetzliche Rente bildet zunächst das Fundament Ihrer eigenen Altersvorsorgestrategie.
- Private und betriebliche Vorsorge sind unverzichtbar um die Versorgungslücke zu schließen. Dabei bietet sich eine breites Potpourri von Möglichkeiten in:
- Betriebliche Altersversorgung – oft mit Arbeitgeberzuschüssen
- Private Altersvorsorge (Riester, Rürup, Rentenversicherungen)
- Vermögensaufbau (Wertpapiere, ETFs, Immobilien, etc.)
- Je früher Sie beginnen, desto besser! Der Zinseszinseffekt ist der größte Renditebringer. Ein einfaches Beispiel:
- Mit 20 Jahren beginnen Sie monatlich 100 Euro zu sparen (6% Rendite p.a.) und erhalten mit 67 Jahren 313.187,59 Euro
- Mit 40 Jahren beginnen Sie monatlich 100 Euro zu sparen (6% Rendite p.a.) und erhalten mit 67 Jahren 80.654,68 Euro.
Die Differenz über fast 233.000 Euro resultiert lediglich aus zwanzig Jahren mehr Zinseszins. Der Unterschied in der Einzahlsumme für die weiteren zwanzig Jahre liegt hier nur bei 24.000 Euro. Dieses Beispiel zeigt, wie entscheidend eine frühzeitige Altersvorsorgeplanung ist.
Fazit - Verstehen Sie die Zahlen und planen Sie
Das Rentenniveau ist eine wichtige politische Kennzahl – doch für Ihre persönliche Altersvorsorge müssen Sie sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen. Ihre individuelle Rente hängt ab von:
- Ihrer persönlichen Einkommensentwicklung
- Ihren Beitragsjahren
- Auszeiten (Kindererziehung, Arbeitslosigkeit, Krankheit)
- dem Zeitpunkt Ihres Renteneintritts
Ihre nächsten Schritte
Eine fundierte Finanzplanung beginnt mit einer präzisen Analyse Ihrer aktuellen Situation und Ihrer Ziele. Dabei stehen folgende Punkte im Vordergrund:
- Renteninformatoin richtig interpretieren – Was steht wirklich in Ihrem Rentenbescheid?
- Versorgungslücke berechnen – Wie groß ist die Differenz zwischen Ihrem Bedarf und Ihrer zu erwartenden Rente?
- Strategische Vorsorgeplanung – Welche Bausteine (gesetzlich, betrieblich, privat) passen zu Ihrer Lebenssituation?
- Regelmäßige Anpassung – Ihre Finanzplanung ist ein lebendiger Prozess, der mit Ihnen mitwächst
Sie möchten Ihre persönliche Versorgungslücke berechnen und eine maßgeschneiderte Vorsorgestrategie entwickeln? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch. Als CERTIFIED FINANCIAL PLANNER® betrachten wir Ihre Altersvorsorge im Kontext Ihrer gesamten Finanzplanung – denn letztlich ist Finanzplanung untrennbar mit Lebensplanung verbunden.